Die Rundfunkgeräteserie Philetta von Philips:
Der Kassenschlager eines Vierteljahrhunderts
Dipl.-Ing. CONRAD H. v. SENGBUSCH - DJ2DK in FUNK Amateur 12/95

Die Geschichte der Philetta-Rundfunkgeräteserie geht zurück auf das Jahr 1941. Damals konstruierten holländische Ingenieure einen 4-Röhren/ 6-Kreis-Super für den Export. Speziell für dieses Gerät mit den Abmessungen 245 mm x 162 mm x 130 mm entstanden Drehkondensatoren, Bandfilter und Lautsprecher en miniature. Das dunkelbraune Preßstoffgehäuse der PHILETTA 203 U in Form eines angeschobenen Kommißbrotes gab dem Empfänger seinen Namen: Kommißbrotradio.

Das Schaltungskonzept des Empfängers entwarf man nach extremen Sparvorgaben und entsprach damit den Auflagen, denen deutsche Rundfunkwerke auch für ihre zivile Kriegsproduktion unterworfen waren. Das Kommißbrotradio war schließlich so bekannt, daß etablierte Firmen es auch während des Krieges nachbauten. So gab es die Philetta 203 U in gleicher Ausführung auch als Blaupunkt-, Brandt-, Braun-, Eumig-, Graetz-, Horny-, Ingelen-, Loewe Opta-, Minerva-, Nora-, Stassfurt-, TeKaDe- und Zerdik-Gerät.

Aufsteckbare Glasskale, die häufig zu Bruch ging
Erst im Modelljahr 1949/50 wurde die Philetta 49, nun als Type BD 293 U, bzw. Philetta A, Type BD 294 U, neu aufgelegt. Das Gerät hatte eine aufsteckbare Glasskale, die häufig beim Staubwischen zu Bruch ging. Das ist auch der Grund dafür, daß dieses kleinformatige Radio heute meist ohne Skale für Sammler angeboten wird.
Bezüglich des Service war der Empfänger wenig beliebt, denn für die Führung des Skalenseils wurden Umlenkrollen im Gehäuse mitbenutzt. Das bedeutete geduldiges Hantieren mit Pinzetten und speziellen Zangen.
Die Konstrukteure entwickelten im Modelljahr 1950/51 die etwas größere Philetta 50. Die nun aus Kunststoff bestehende Skale bildete rnit dem Lautsprechergrill eine verschraubte Einheit.

Einsteigergerät oder Konfirmationsgeschenk
Die letzten Röhrengeräte kamen im Jahre 1967 auf den Markt. Die Philetta-Radio-Familie wurde damit zu der am längsten gebauten Serie eines europäischen Radiowerks.
Die Markenradios waren in den 50er Jahren für Käufer bestimmt, die sich für ein Gerät der unteren Preisklasse (170 bis 230 DM) entschieden hatten. Diese Preislage ermöglichte auch den damals üblichen Kauf auf Raten. So war ein solches Radio oft das Einsteigergerät für die junge Familie oder das Konfirmationsgeschenk überhaupt! Der betriebssichere Empfänger überlebte den steigenden Wohlstand noch Jahrzehnte als Küchenradio, kam dann ins Kinderzimmer und war am Ende auch noch gut für den Arbeitsplatz.
Die Geräte zeichneten sich durch ihre Empfindlichkeit und Trennschärfe aus. Sie konnten alle üblichen Bereiche, wie U/K/M/L, empfangen. Da ein Betreiben auch an den unterschiedlichsten Netzen möglich war, erfreuten sie sich auch als Seemannsradio großer Beliebtheit und vermittelten auf Kurzwelle den Kontakt zur Heimat.

Ausgeprägte Modelipflege
Die Firma Philips betrieb eine ausgeprägte Modellpflege. Was die neuen Modelljahre auch immer an Innovationen brachten, ein Teil davon floß in die Produktion der laufenden Serie. Angefangen von nachrüstbaren UKW-Vorsätzen, über Tastensätze, Ferritantennen, Buchsen für Plattenspieler- und Tonbandgeräteanschluß, gedruckte Schaltungen, Schnittbandkerne, Geräte für Allstrom- oder reinen Wechselstromanschluß, all das gab es auch bei der Philetta. Am Anfang der Serie waren die Kunststoffgehäuse noch weiß. Später gab es zusätzlich Serien mit mahagoni- oder goldfarbenen Gehäusen, am Ende sogar ein Holzgehäuse.
Den steigenden Ansprüchen der Käufer gerecht werdend, gab es ab dem Jahr 1957/58 auch die Philetta de Luxe mit Magischem Auge als Abstimmhilfe. In späteren Serien ab 1959/60 wurde die Modellpalette wesentlich erweitert. Es folgte das preiswerte Einsteigerradio Philettina anfangs in einer Ausführung für UM Empfang, später auch nur für Mittelwelle und weitere Sondermodelle. In der Saison 1961/62 kam die Philetta Transistor B 3 D 22 T, auf den Markt, die sich äußerlich nur durch den Schriftzug Transistor von den Röhrenempfän- gern unterschied. Das Gerät bewährte sich jedoch nicht, da es mit nicht auslaufsicheren Flachbatterien betrieben wurde und die Käufer es oft versäumten, die verbrauchten Batterien zu entfernen.
Wie bereits angedeutet, wurde die Philetta-Serie als Röhrengerät 26 Jahre lang gebaut. Das letzte Gerät war die Philetta de Luxe Euro, 12 RB 380, aus dem Modelljahr 1968/69, die mit den Modellen aus den Anfangsjahren nichts mehr gemein hatte und nun schon volltransistorisiert war.
Der Erfolg ließ die Konkurrenz nicht ruhen. Viele namhafte deutsche Rundfunkwerke schwammen auf der Welle preiswerter Einsteigermoddle mit und produzierten Geräte, die das Philips- Modell unverkennbar als Vorbild hatten. Keine dieser Serien erreichte indessen die Popularität des ursprünglichen Modells.
Gab es die klassische Philetta?
Sollten Sie in Ihrem Bestand noch eine Philetta haben, können Sie Ihren Empfänger anhand der Tabelle dem Modelljahr zuordnen. Die jungen Leute von heute haben oft eine Freude daran, die kleinformatigen Geräte aus den Teenagerjahren ihrer Eltern weiter zu betreiben. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob es bei der Serie das klassische Gerät überhaupt gegeben hat. So darf ich Ihnen raten: Suchen Sie nach der Philetta 244, BD 244 U, aus dem Jahre 1954, der Philetta 263, BD 263 U, aus der Serie von 1956 oder der Philetta283, BD 283 U, von 1958. Diese Geräte waren sicher das Herzstück der Baureihe und hatten das zeittypische amerikanisch orientierte Design der 50er Jahre. Spätere Modelle, besonders die Geräte der 60er Jahre, wurden jähriich dem Modetrend bis hin zum Nordischen Stil angepaßt.
Etwas Sakrales
Es gibt viele schöne Dinge im Leben. Das Leuchten der Skale und des transparenten wuchtigen Gitterwerks der Lautsprecherverkleidung ist bei der Philetta 283 typisch und erinnert im halbabgedunkelten Raum an etwas Sakrales. Nur eine frühe Wurlitzer-Orgel kann da noch mithalten.
Ein Hinweis sei an dieser Stelle noch gestattet: Die Empfänger der Baujahre 1952 bis etwa 1962 hatten einen UKW-Bereich bis 100 MHz, der ab etwa 1963 bis 104 MHz erweitert wurde. Heute reicht der UKW-Bereich bis 108 MHz. Die gesamte Palette der gegenwärtig zu empfangenden UKW-Sender werden Sie mit den Klassikern also nicht hören können, das verbleibende Angebot dürfte aber in jedem Fall ausreichen.




Philetta- und Philettina-Geräte von 1941 bis 1968
1941  Philetta
1949  Philetta 49 
          Philetta A
1950  Philetta 50
          Philetta A 50
1951  Philetta 51
          Philetta 51
          Philetta 51
1952  Philetta 52
          Philetta 52
1953  Philetta 54
          Philetta 54
          Philetta 54
          Philetta
          Philetta
1954  Philetta 244
          Philetta 244
1955  Philetta 254
          Philetta 254
          Philetta 254
1956  Philetta 263
          Philetta 263
          Philetta 263
1957  Philetta 273
          Philetta 273
          Philetta 273
          Philetta 273
   Philetta 274 de Luxe
1958  Philetta 283
          Philetta 283
          Philetta 283
   Philetta 284 de Luxe
1959  Philettina
    Philetta Wechselstr.
    Philetta Wechselstr.
    Philetta Allstrom
    Philetta de Luxe
      203 U 
BD 293 U
BD 294 U
BD 290 U

BD 200 U braun
BD 200 U silbergrau
BD 200 U elfenbein
BD 222 U braun
BD 222 U elfenbein
BD 233 U braun
BD 233 elfenbein
BD 234 U 
BD 243 U braun
BD 243 U elfenbein
BD 244 U elfenbein
BD 244 U mahagoni
BD 254 U braun
BD 254 U elfenbein
BD 254 U gold
BD 263 U braun
BD 263 elfenbein
BD 263 gold
BD 273 U braun
BD 273 U elfenbein
BD 273 mahagoni
BD 273 U gold
BD 274 U
BD 283 U braun
BD 283 U elfenbein
DB 283 U gold
BD 284 U
B 1 D 92 A
B 2 D 93 A elfenbein
B 2 D 95 A gold
B 2 D 93 U
B 2 D 94 A

1960  Philettina I
          Philettina II
          Philettina III
Philetta Allstrom
    Philetta Allstrom
    Philetta Wechselstr.
    Philetta Wechselstr.
    Philetta  de Luxe
  (Philetta 208 de Luxe
     Philetta  de Luxe
1961 Philettina 1
         Philettina
    Philetta Wechselstr.
    Philetta Spezial 214
    Philetta de Luxe
    Philetta Transistor
1962 Philettina
         Philettina
         Philetta 223
         Philetta Spezial
   Philetta 321 de Luxe
   Philetta Transistor
1963 Philettina
         Philettina
         Philetta
         Philetta de Luxe
         Philetta modern
1964 Philetta de Luxe
1965 Philetta
         Philetta de Luxe
1966 Philetta
         Philetta de Luxe
1967 Philetta
         PhiIettaSL
1968 Philetta Euro
  Philetta de Luxe Euro
B 0 X 15 U
B 1 D 12 A
B 2 D 02 A
B 2 D 01 U braun
B 2 D 11 U elfenbein
B 2 D 03 A elfenbein
B 2 D 03 A gold
B 2 D 04 U
B 2 D 08 U)??
B 3 D 02 A
B 0 X 15 U
B 1 D 12 A
B 2 D 13 A
B 2 D 14 U
B 3 D 11 A
B 3 D 22 T
B 0 X 15 U
B 1 D 22 A
B 2 D 23 A
B 2 D 14 U
B 3 D 21 A
B 3 D 22 T
B 0 X 19 U
B 1 D 22 A
B 2 D 33 A
B 3 D 22 A
B 3 D 33 A
B 3 D 42 A
B 3 D 53 A
B 3 D 52 A
12 RB 263
12 RB 362
12 RB 273
12 RB 272
12 RB 280
12 RB 380
(Auflistung der Geräte:  Gunthard Kraus, Tettnang - Bestandteil der o.g. Veröffentlichung)
Vom Autor dieser Seite ergänzt mit Daten aus der Bewertungsliste für gebrauchte Rundfunk,- .... geräte  (Taxliste) - Franzis-Verlag 1963/64

Zurück zur Hauptseite